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Taschenbuch:
ISBN: 9783565572489
Inhaltsangabe: Der Kriminalhauptkommissar Martin Lüpke, Spitzname Lüppi, und sein Team ermitteln nach und nach in fünf Fällen. Ihm ersten Fall wird eine Podologin, sprich eine Fußpflegerin, in einem Park zweimal erstochen aufgefunden. Todesopfer Nr. 2 wird in einem Parkhaus, nach einer Auseinandersetzung, von einem Auto absichtlich überfahren. Der ungeklärte Todesfall einer älteren Dame ist Fall Nr. 3. In den Fällen Nr. 4 und 5 geht es um den Richter aus Band 11, dessen Frau durch einen Verkehrsunfall absichtlich verletzt wird. Dem nicht genug, wird dessen Sekretärin wenig später vermisst.
Leseprobe: 1. Dezember 1995, Freitag,
8.30 Uhr Nachdem Gördi mal
wieder für alle Kaffee gekocht und auch allen eine Tasse voll eingeschüttet
hatte, war die erste Fallakte fertig. Es war die von Peter Stievens. Heike kam
zu Lüppi und legte diese vor ihm auf seinen Schreibtisch. „Hat eure Nina heute
Morgen noch etwas zu gestern gesagt?“, wollte er wissen. „Ja, hat sie, in der
Tat. Sie fand deinen Vorschlag mit den ‚Staffelpreisen‘ zuerst ja voll doof. Heute Morgen meinte sie dann,
es wäre nur mehr als fair und wir setzen jetzt deinen Vorschlag mit den ‚Staffelpreisen‘ um“, antwortete Heike. „Habt ihr schon eine Idee wie?“, fragte Petra. „Ja, haben wir und auch schon mit Nina besprochen, heute
Morgen“, antwortete Heike und sagte nach einem Augenblick weiter. „Dann erzähl mal, Gördi“, bat Petra. „Sie bekommt 10 DM für die Note 1. 5 DM für Note 2. 2,50 für
eine 3 und sie muss an uns 2,50 zahlen, wenn sie eine 4 mit nach Hause bringt.
Bei einer 5 zahlt sie uns dann einen 5er und bei einer 6, die sie noch nie
hatte, kostet es sie einen 10er“, erklärte Vater Gördi. „Sie bekommt also Geld für gute Noten und muss zahlen, wenn
sie schlechte Noten mitbringt“, gab Petra wieder. „Ganz genau“, bestätigte Heike. „Nachdem wir drei das so festgelegt hatten, meinte Nina zu
uns, wir bräuchten gar nicht darauf hoffen, von ihr Geld zu bekommen. Es würde
sich wohl ab jetzt so verhalten, dass wir zwei immer zahlen müssten“,
informierte Gördi. „Hattet ihr sieben gestern wieder eine eurer
Hausratsbesprechung?“, fragte Björn nach. „Ja, hatten wir, nachdem Nina von Lüppi wollte, dass er mich
verhaftet und Mario mich wegen Unterschlagung
anklagen sollte“, gab Gördi den Ausgang vom Vortag wieder und erzählte für die
anderen vier noch mal etwas ausführlicher. „Eure Nina gefällt
mir“, sagte Jasmin am Ende des Berichtes. „Das muss ich aber
auch sagen. Sie scheint ja echt cool zu sein“, fand Silke. „Petra, lies doch
bitte vor“, bat Meik und war neugierig. „Aber gerne“, sagte
sie und las. ‚Dieser Mann hat sein Leben verloren, weil er als
verurteilter „Wau, der ist richtig gut“, fand Björn. Freitag, 11.00 Uhr Alle Kriminalbeamte
der KK11 hatten sich im Büro von Lüppi und den seinen, eingefunden. Mit dazu
hatten sich die drei Kommissare der KK12, zuständig für BTM-Delikte, sprich für
Betäubungsmitteldelikte,
gleichfalls eingefunden. Von der Abteilung GER, was für Gemeinsame
Ermittlungsgruppe Rauschgift steht, waren die zwei Leiter, die Herren Ulrich Wackenhut und Tobias
Braun mit dabei. Auch anwesend war der
zuständige Staatsanwalt Mario Minnelli. „Petra, es gibt eine Tote in Essen Huttrop.“ „Oh…, ja, kläre ich hier bei uns ab und es kommen zwei von
uns dort hin. Wo genau ist das denn?“, fragte sie nach. „Es gibt eine Frauenleiche in Huttrop“, sagte sie in
Richtung Lüppi. „Petra und mich braucht ihr doch im Augenblick nicht“, sagte
er zu den anderen und teilte Gördi mit. „Ja, geht klar“, bestätigte er. Freitag, 11.45 Uhr Bernardo Carbone,
Maria Damico, Michele Alessandro Mascali und Gianna Rizzi saßen zusammen im
Wohnzimmer und sprachen über die gemeinsame Zukunft. Maria´s ‚Brummbär‘ hatte
sich wieder eingekriegt, so schien es jedenfalls für die beiden Frauen. Michele
war da nicht so ganz von überzeugt, ob sein Freund damit leben konnte, über
kurz oder lang nicht mehr der große Sporgenza Superiore von Sizilien zu sein. „Was ist los?“ „Ich frage mich was
wir machen, wenn wir auch dort keine Firmen finden, die Zeit haben“, antwortete
Marco. „Ganz einfach, dann
überreden wir die, auf unsere ganz sympathische Art und bringen sie dazu doch
Zeit für uns zu haben“, antwortete Antonio. „Giacomo wüsste
wahrscheinlich, was jetzt zu tun ist“, war sich Marco sicher. Freitag, 12.40 Uhr Lüppi fuhr die
Lanterstraße entlang und bog in die Straße ‚Am Krausen Bäumchen‘ ein. Zu Ihrer Info,
früher ging das noch, heute ist der untere Teil der Straße für den Verkehr gesperrt.
„Hallo, weißt du wo
wir hin müssen?“, erkundigte sich Lüppi bei ihm. „Ca. 60 Meter den Weg
entlang. Die Leiche liegt auf der linken Seite unter Büschen. Die Kollegen sind
vor Ort“, kam der Hinweis von ihm. „Wer hat die Leiche
gefunden?“, fragten Petra und Lüppi gleichzeitig und mussten beide lächeln. „Der Gärtner! Der war
mit Rasenmähen beschäftigt und ist mit dem Aufsitzrasenmäher ganz dicht an den
Busch gefahren und hat dabei den Schuh entdeckt. Ist abgestiegen und hat uns
dann im Anschluss verständigt.“ „Wo ist der gute Mann
jetzt?“ „Der ist weiter im
Park unterwegs, Rasenmähen.“ „So ganz passen die
Farben aber nicht zusammen. Es sieht etwas unharmonisch aus und dazu die
schwarzen Turnschuhe. Ich weiß nicht…, man könnte auf die Idee kommen, sie
hatte es eilig beim Anziehen.“ „Das ist jetzt dein
Ernst?“, fragte er nach. „Ja und warum hat sie
keine Jacke an?“ „Keine Ahnung, weil
ihr warm war“, konnte er sich vorstellen. „Haben die Kollegen
schon in ihren Taschen nachgeschaut?“ „Weiß nicht, fragen
wir sie“, erwiderte er und drehte sich zu den beiden um. „Hat sie Papiere oder
sonst etwas bei sich?“ „Haben wir nicht
nachgeschaut“, antwortete der rechte. „Wir wollten den
Tatort nicht verunreinigen“, fügte der linke hinzu. „Soll ich?“ fragte
Petra ihn. „Nö, lass mal, da kann
gleich Horst mit seinen Lieben nachschauen“, bekam sie zur Antwort. „Horst“, sprach Lüppi
ihn an. „Einige Stunden,
könnte auch ein Tag gewesen sein“, war seine Annahme. „Mich wundert es, dass
kein Hund sie zuvor gefunden hat“, sagte Petra. „Das könnte daran
liegen, es besteht hier im Park Anleinpflicht“, wusste einer der
Streifenbeamte. „Stimmt“, bestätigte
sein Kollege. „Sollen wir mal
versuchen, ob wir der Blutspur folgen können?“, frage sie in Richtung ihres
Vater´s. „Können wir“,
entgegnete er und kam auch auf die Wiese. Ab den zwei besagten Grashalmen
schauten sich die beiden weiter um und fanden prompt noch einen. Wie beiden
schnell auffiel, waren die Abstände so ziemlich gleich. Einen Meter schätzte
Petra sie. Ab da schauten sich die zwei weiter um und stellten fest, die
Blutspur ging bis zum asphaltierten Weg. Dort fanden sie zwar noch weitere,
sechs Stück um genau zu sein, aber keine weiteren. Beide sahen sich weiter um.
Auf der gegenüber liegenden Wiese, schräg rechts vom Fundort, über den Fußweg
hinweg, fanden sie nahe eines Laubbaums eine deutlich größere Stelle. Nachdem Horst
dazu rufen worden war, stellte er fest, diese Stelle schien schon mehrfach von
umliegendem Erdreich überworfen zu sein. Es hatte wohl den einen und anderen
Hund gegeben, der dort seine Nase in der Blutlache gehabt haben musste. Nach
vorsichtigem säubern der überworfenen Erde über Teile der Blutlache konnte die ursprüngliche
Größe der Blutlache festgestellt werden. Während Horst mit der „Hier sind weitere
Blutspritzer auf der Wiese“, teilte sie Horst und Lüppi mit. „Papa, nicht
schießen!“, rief Petra ihm zu. „Wir haben Sie doch
schon dreimal verwarnt. Sie dürfen Ihren Hund in dem Park nicht von der Leine
lassen“, sagte der Beamte. „Ach, was soll denn
der Quatsch! Ihr mit euren bescheuerten Verboten!“, regte sich ‚Herrchen‘
weiterhin auf. „Da Sie ja anscheinend
drei mündliche Verwarnungen nicht zu interessieren scheinen, erhalten Sie
hiermit jetzt ein Bußgeld.“ „Weshalb bekomme ich
ein Bußgeld?“, fragte ‚Herrchen‘ nach. „Weil Sie erneut ihren
Hund nicht angeleint haben und Ihr Hund eine Polizeiliche Ermittlung gestört
hat.“ „Was für eine
Ermittlung denn? Ihr sucht doch nur nach scheiß Begründungen für eure scheiß
Bußgelder!“ „Hier im Park ist eine
Frau ermordet worden und Ihr Hund hätte fast die ermittelnden Beamten
angefallen!“, teilte aufgebracht der Streifenbeamte mit. „Das entscheide ich
nicht. Sie erhalten in der nächsten Zeit einen Bußgeldbescheid. Was ich Ihnen
aber schon sagen kann ist, wiederholt die Leinenpflicht missachtet macht
zwischen 150 bis 3000 DM. Kommt Belästigung von Beamten im Einsatz hinzu, macht
70 bis 200 DM und nicht zu vergessen, Lärm durch bellen kostet auch noch mal
100 bis 5000 DM“, informierte der Streifenbeamte, was ‚Herrchen‘ ziemlich
schockte. „Der 190er steht
entgegen der Fahrtrichtung“, machte Petra die Feststellung. „Und das noch nicht
einmal vernünftig, sondern irgendwie nur wie mal schnell abgestellt, als wenn
man es eilig gehabt hätte…“, sagte Lüppi und bemerkte im gleichen Augenblick,
was er da gesagt hatte. „Die Verstorbene hatte
doch einen Mercedesschlüssel dabei!“, fiel Petra ein und ging zu dem weinroten 190er. „Ich geh mal eben zu
den beiden den Autoschlüssel holen“, sagte Lüppi und ging zu dem beschriebenen
Baum zurück. „Somit steht nun der Ablauf fest“, fing Lüppi an. „Der Täter ist hinter ihr her und hat ihr den ersten Stich
unter dem ersten Baum zugefügt“, sagt Petra. „Anhand ihrer Striemen im Gesicht ist sie durch die Büsche
geflohen und wurde ein ganzes Stück weiter unter dem anderen Baum gestellt“,
sagte Horst. „Genau und von dort dann auch wieder los und ist unter die
Büsche geflüchtet“, sagte Petra. „Wo sie dann verstorben ist“, ergänzte Horst. „Stellt sich nun die Frage, wieso ist der Täter nicht auch
da hinter ihr her?“, fragte Moris. „Eine gute Frage, Herr Kollege“, beurteilte Lüppi. „Möglicherweise wurde der Täter durch sich nähernde
Passanten davon abgehalten“, konnte sich Petra vorstellen. „Wie auch immer, wir sollten dann mal zu ihr Nachhause
fahren“, sagte Lüppi. Freitag, 14.25 Uhr Lüppi und Petra
warteten mit den zwei Streifenbeamten vor der Wohnungstür darauf, dass auch sie
die Wohnung betreten durften. Schuhüberzieher und Handschuhe trugen sie bereits.
Zwei Schlüssel von Frau Neuhäuser, der am Schlüsselbund gefundenen, passten zur
Haus- und Wohnungstür. „Dürfen wir zwei euch
mal was fragen?“, erkundigte sich einer der beiden Streifenkollegen, während
sie warteten. „Na, klar doch“,
antwortete Petra ihm. „Stimmt es wirklich,
dass ihr Vater und Tochter seid?“ „Ja, stimmt“,
bestätigte sie. „Und wieso wusstest du
nichts von deiner Tochter?“, fragte der andere Kollege in Lüppi´s Richtung
nach. „Ganz einfach, weil
die Mutter von Petra mir nie etwas von ihrer Schwangerschaft gesagt hat und sie
und ich uns ab da nicht mehr getroffen haben“, erklärte Lüppi. „Ihr könnt jetzt
reinkommen“, informierte Moris von drinnen. Freitag, 15.00 Uhr Gördi und die anderen
fünf hatten inzwischen alle Fallakten der 19 Todesopfer, die an zu
hochdosierten MDMA gestorben waren, fertig und alle Akten lagen auf dem
Schreibtisch von Lüppi. Als Heike die letzte Akte dort hinlegte, meinte sie zu
den anderen. „Findet ihr nicht auch,
Petra und Lüppi sind schon etwas lang weg, oder?“ „Wenn ich so auf die
Uhr schau…, ja, stimmt“, bestätigte Meik. „Ich frag mal nach“,
teilte Björn mit und rief bei dem wachhabenden Streifenkollegen unten in der
Wache an. „Ja, ich weiß, die
sind in Huttrop im Siepental. Ich meine mitbekommen zu haben, die Frauenleiche
wäre auch schon zur Rechtsmedizin gebracht worden. Wo die zwei jetzt stecken
kann ich nicht sagen, aber ich höre nach, einen Augenblick bitte“, sagte der
Wachhabende und Björn hörte wie er den Hörer beiseitelegte und alle
Streifenkollegen im Stadtgebiet anfunkte. „Lüppi und Petra sind
mit Horst und Moris in der Weichselstraße in Bergerhausen. Wir befinden uns in
der Wohnung des Opfers!“ „Danke, alles klar,
gebe ich so weiter“, hörte Björn ihn sagen. „Kannst du sagen, wie
lange das wohl noch dauern wird?“, fragte er weiter. „Nein, keine Ahnung,
wird aber bestimmt noch dauern.“ „Ich hab schon alles
mitbekommen! Danke, Kollege.“ „Was machen wir
jetzt?“, fragte Jasmin. „Wir könnten uns mal
mit Egon Nickel weiter beschäftigen, denn die Unterlagen von der Polizeiinspektion Herrsching am
Ammersee, die Petra versprochen worden sind, sind bis jetzt noch nicht hier
angekommen“, schlug Heike vor. „Kommen bestimmt noch,
so schnell sind die in Bayern nicht“, war Gördi der Meinung. „Und die neuen Fälle
der Umweltdelikte liegen auch noch hier herum“, warf Meik ein. „Na, dann los“, sagte
Gördi und teilte wie folgt auf. „Was haste denn
schönes, Mario?“, fragte Gördi ihn. „Das Urteil von Herrn
Lehmann. Das große Schwurgericht hat ihn in beiden Anklagepunkten
für schuldig befunden. Das Urteil
lautet, lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender
Sicherheitsverwahrung.“ „Dann kommt er also nie wieder raus“, stellte Gördi fest. „Das war es für ihn“, bestätigte Mario und fragte. Freitag, 15.05 Uhr Fast zur gleichen Zeit
saßen Bernardo, Maria, Michele und Gianna noch immer zusammen im Wohnzimmer und
warteten auf Gianna´s Freundin Melanie Zenatti, der ansässigen
Immobilienmaklerin. Nach einem Anruf von ihr, eine Viertelstunde zuvor, wollte
sie zu den vieren hochkommen um noch einmal über die besagte Villa bei
Belgirate zu sprechen, da sich der Verkäufer der Villa, Signore Valentini aus
Mailand, bei Melanie gemeldet hatte und nun wissen wollte, ob die Interessenten
denn nun die Villa kaufen würden. Das dieses Interesse in Wirklichkeit nicht
von Signore Valentini, dem Inhaber einer der bekanntesten Banken in Mailand in
dritter Generation ausging, sondern Santino Martinelli, der Oberleutnant
der Carabinieri dahintersteckte, ahnte niemand. Freitag, 15.10 Uhr Lüppi hatte sich alle
Papiere angesehen und teilweise auch durchgelesen. Horst war mit Küche und
Wohnbereich fertig als eine ältere Frauenstimme im Treppenhaus von unten hoch
rief. „Hallo, Frau
Neuhäuser, sind Sie da? Ihre Tür steht ja auf!“ „Hier ist die Vermieterin
von Frau Neuhäuser“, bekam er zur Antwort und er ging zu der älteren Dame nach
unten. „Ich bin 82 Jahre alt.
Aber sagen Sie mir mal bitte, was machen Sie denn in der Wohnung von Frau
Neuhäuser?“ „Ich bin fertig mit
dem Schlafzimmer“, verkündete sie. „Das ist schön, du
kannst bei uns in der KTU anfangen“, meinte Horst. „Ach, nee, lass mal“,
sagte sie und schaute Lüppi über dessen Schulter. „Ich kann euch sagen
was Barbara Neuhäuser von Beruf war“, sagte Lüppi. „Und?“, fragte Petra. „Eine Podologin!“,
antwortete er. „Eine Fußpflege?“,
fragte Horst überrascht nach. „Danke, dann weiß ich
das jetzt auch. Eine Podologin ist also eine
Fußpflegerin, soso“, kam es von Petra. „Sie war selbstständig
und besuchte ihre Kundschaft bei denen Zuhause. Soll heißen, sie fuhr den
halben Tag durch die Gegend immer zum nächsten Termin.“ „Hatte sie so viel zu tun,
dass sie jeden Tag immer Termin hatte?“, wollte Petra wissen. „Nicht immer
durchgängig. Zeitweise auch mit kleinen oder größeren Lücken, sprich Pausen.
Für mich sieht es so aus, als wenn sie gerade so davon leben konnte. Viel blieb
da am Ende des Monats nicht übrig, um genau zu sein…, „Woran hast du denn
das erkannt?“ „An ihren
Bankauszügen, die da auf dem Sekretär liegen. Ende letzten Monats war das
Giro-Konto mit 4.678 DM überzogen und das bei einem Dispo von 5.000 DM. Ein Mahnschreiben
vom Finanzamt hatte sie auch seit Mitte Oktober da liegen. Also, alles in allem
sah es finanziell nicht gut aus“, fasste Lüppi zusammen. „Das wird aber nicht
der Mord-Hintergrund gewesen sein“, sagte Moris. „Woher weiß du das
denn?“, fragte Petra und erwiderte sogleich. „Sie könnte doch umfangreiche
Schulden gehabt haben, möglicherweise sogar bei Kredit-Haien.“ „Wo Petra Recht hat, hat
sie Recht“, kam es von Horst. „Werden wir
herausfinden, gehe ich zumindest von aus“, meinte Lüppi und wollte von den
dreien wissen. „Im Schlafzimmer ist
nichts außer dem, was man in einem Schlafzimmer erwartet zu finden. Ihre
Kleidung ist von guter Qualität, aber nichts neues dabei, alles älter“, fasste
Petra zusammen. „Im Badezimmer habe
ich im Spiegelschrank ein paar Medikamente gefunden, aber nur das übliche.
Etwas gegen Durchfall, ein paar Schmerztabletten und eine Packung Pillen gegen
Schwangerschaft. Sonst war da nichts ungewöhnliches oder erwähnenswertes“,
teilte Moris mit. „In den
Küchenschränken befindet sich nicht viel Essbares und wenn dann Fertigsuppen
von den einschlägigen „Gut, ihr zwei schaut
euch noch ein bisschen um?“, fragte Lüppi die zwei Kollegen. „Ja, machen wir,
vielleicht finden wir ja doch noch etwas“, antwortete Horst. „Hast du unten im
Sekretär auch nachgeschaut?“, wollte Moris wissen. „Nein, nur den
Papierstapel rechts oben drauf“, teilte Lüppi mit. „Dann sehen wir uns
noch den Rest an. Mal schauen was sich dort noch in den Schubladen befindet“,
sagte Moris. „Prima, macht das und
wir zwei…“, sagte Lüppi zu Petra. Freitag, 15.25 Uhr Das Telefon von Gördi schellte.
Er ging dran und erfuhr von dem wachhabenden Streifenbeamten aus der Wache von
unten. „Es hat eine
Messerstecherei im Parkhaus ‚Am Limbecker Platz‘
gegeben. Einer der Kontrahenten hat im Anschluss danach offensichtlich den
anderen mit dem PKW über den Haufen gefahren. Bei der Parkhaus-Ausfahrt ist der
Fahrer dann hingegangen und hat die unbeteiligte Frau vor ihm mit ihrem Wagen
nach draußen geschoben als die Schranke auf ging und ist dann mit nach draußen gefahren
und ist spurlos verschwunden.“ „Ach, du dickes Ei“,
entfuhr es Gördi und wollte wissen. „Der Notarzt ist
verständigt oder bereits vor Ort. Die Frau steht unter Schock und ihr
Kleinwagen ist wohl nicht mehr fahrbereit. Die Frau wartet auf euch im Büro des
Parkhauswärters“, war die Antwort. „Okay, wir kommen“,
sagte Gördi und ihm fiel ein. „Noch nicht, mach ich
als nächstes“, sagte der Kollege. „Wir haben eine
Messerstecherei mit einem überfahrenen Beteiligten und eine Frau, die in ihrem
Wagen sitzend durch die Ausfahrt geschoben worden ist. Ich fahr hin“, teilte
Gördi mit und fragte. „Nimm einen von den vieren.
Ich bleib hier und fahr heute Abend mit auf den Einsatz in den ‚Techno
Palast‘, würde ich sagen“, schlug Heike vor. „In Ordnung, würde Lüppi jetzt sagen“, war von Gördi zu
hören und schaute zu den vieren herüber. „Wenn du möchtest, dann komme ich mit“, sagte Jasmin als
erste. „Ich wollte mich auch anbieten“, kam es von Björn. „Ich könnte auch“, sagte Meik. „Ich nehme Jasmin, sie war die Schnellste. Ihr drei könnt
euch dann bis nachher um die neun Umweltdelikte kümmern“, entschied Gördi,
stand auf und schnappte sich seine Jacke. Freitag, 15.35 Uhr Die drei saßen im
Wohnzimmer von Frau Arnold, als es an der Wohnungstür von ihr schellte. „Ja, wer ist das denn
jetzt?“, fragte die ältere Dame. „Soll ich mal gehen
und schauen“, schlug Petra vor. „Ach, Mensch, das wäre
ja ganz lieb von Ihnen“, sagte Frau Arnold und Petra ging zur Wohnungstür. „Wir sind oben soweit
fertig, nehmen die Unterlagen vom Sekretär mit und sind jetzt auf dem Weg zum
nächsten Einsatz, zum Parkhaus am Limbecker Platz.“ „Was ist denn dort?“,
fragte sie nach. „Eine Messerstecherei
mit anschließend überfahren und einer Art Karambolage“, antwortete Horst. „Wie bitte…?“ „Wir sehen uns. Die
beiden Streifenkollegen warten noch auf euch.“ „Wie lange wohnte Frau
Neuhäuser jetzt hier bei Ihnen im Haus?“ „Seit 8 Jahren.“ „Das waren die
Kollegen von der Spurensicherung, die sind jetzt fertig und fahren zum nächsten
Einsatzort.“ „Wann hat das
angefangen, daß Frau Neuhäuser nicht immer die Miete zahlen konnte?“, fragte
Lüppi weiter. „Mmh…, da muss ich
überlegen. So… vor 3 Jahren war es das erste Mal. Dann hat sie nach drei
Monaten die zwei fehlenden Monatsmieten nachgezahlt und dann ging es wieder
einige Monate, so etwas über ein halbes Jahr, gut.“ „Hatten Sie
Verständnis für ihre Lage oder hat sie das sehr gestört?“, fragte Lüppi als
nächstes. „Ich hatte damit kein
Problem, im Grunde genommen war ich ja froh, dass ich eine vernünftige Person
hier im Haus hatte und nicht alleine war.“ „Wie häufig haben Sie
Frau Neuhäuser so zu Gesicht bekommen?“ „Mehrfach die Woche,
fast täglich. Sie hat mich mit zum Einkaufen genommen und ich habe für uns
beide gekocht. Das war meistens der Fall, außer Freitag´s.“ „Was ist oder war
Freitag´s?“ „Jeden Freitag habe
ich meinen Skat-Abend mit meinen Freundinnen aus der Schulzeit. Da musste Frau
Neuhäuser sich selbst was kochen.“ „Sie haben sich aber
auch nach den ganzen Jahren und den sechsmal wöchentlichen Abendessen noch
immer gesiezt?“ „Ja, darauf habe ich
bestanden. Ich wollte weiterhin eine gewisse Distanz haben, aus gutem Grund.
Man sagt schneller du Arschloch, als Sie Arschloch.“ „Stimmt, da gebe ich
Ihnen Recht.“ „Das ist aber trotzdem
sehr freundlich von Ihnen gewesen, sie so häufig zum Abendessen einzuladen“,
fand Petra. „Ja und nein. Es hatte
ja auch den Vorteil, ich musste nicht immer alleine essen und so fuhr sie mich
zum Einkaufen und schleppte mir auch noch die Taschen. Das hatte für uns beide
Vorteile, für sie und mich. Hinzukam noch, ich konnte so immer mal wieder im
Auto von meinem Gustav mitfahren.“ „Gustav ist ihr
Ehemann, darf ich annehmen?“, fragte Lüppi. „Ja, war! Er ist vor
vier Jahren gestorben. Wir waren gleich alt und sind seit der Schule zusammen
gewesen.“ „Dann ist der weinrote
Mercedes 190 von Ihrem Mann?“, fragte Petra. „Ja, ganz genau. Wo
ist der denn eigentlich jetzt, also ich meine der Mercedes von meinem Gustav?“ „Der steht im
Siepental“, antwortete Lüppi und ihm fiel etwas ein. „Bekomme ich den Wagen
zurück?“, fragte Frau Arnold. „Gehört der Wagen denn
noch Ihnen?“, stellte Lüppi die Gegenfrage. „Ja, der gehört mir,
da Frau Neuhäuser ihn mir ja nicht abgekauft hat. Ich habe auch noch den
Fahrzeugbrief im Tresor liegen, wie früher als mein Gustav noch lebte.“ „Der Wagen ist aber
auf Barbara Neuhäuser zugelassen“, bemerkte Lüppi. „Das musste er doch.
Ich habe ja keinen Führerschein und nach dem Tod von meinem Gustav hat mein
Sohn den Wagen nach ein paar Monaten abgemeldet. Was sollte der denn angemeldet
in der Garage stehen und nicht bewegt werden.“ „Zum Anmelden eines
PKW´s braucht man keinen Führerschein. Sie hätten den also auch auf Ihren Namen
anmelden können“, informierte Lüppi. „Das wusste ich
nicht“, gestand sie und Lüppi fragte direkt. „Warum hat Frau
Neuhäuser denn überhaupt den Wagen von Ihrem Gustav benutzt?“ „Ja, weil ihr kleiner
Ford doch vor der Haustür einfach abgeholt worden ist. Sie hatte von dem einem
auf den anderen Tag kein Auto mehr. Aber sie brauchte doch ein Auto, um zu
ihren Kunden zu kommen und da habe ich ihr den Wagen von Gustav angeboten.“ „Was bitte heißt denn
einfach abgeholt worden?“ „Die Bank hat ihr da
sehr übel mitgespielt. Die hat einfach keine Raten mehr an die Bank von dem
Autohaus überwiesen. Das ging natürlich nicht und so hat das Autohaus den Wagen
vor der Haustür abgeholt.“ „Das die Bank von Frau
Neuhäuser sie hat einfach hängen gelassen hat, wird aber seinen Grund gehabt
haben“, stand für Lüppi fest. „Natürlich hatte das
einen Grund. Sie war völlig blank, das Konto völlig überzogen, da ging nichts
mehr. Ich habe ihr ja noch im Januar diesen Jahres 1.000 DM zukommen lassen“,
sagte Frau Arnold. „Sie haben Ihr 1.000
DM geliehen oder geschenkt?“ „Geschenkt, damit sie
wieder etwas Luft hatte. Eigentlich sollte das mein Sohn, meine
Schwiegertochter und meine Enkelin letztes Jahr zu Weihnachten bekommen. Die
hielten es aber nicht für nötig auf Weihnachten mich zu besuchen und so hat im
Januar Frau Neuhäuser halt das Geld bekommen. Sie wissen doch, Herr Kommissar,
wer es nicht für nötig hält mal seine Mutter und seine Oma zu besuchen, der hat
dann halt das Nachsehen, so einfach ist das.“ „Ist nur mehr als
konsequent, finde ich“, sagte Lüppi und schaute fragend zu Petra. „Nein, bis jetzt
nicht. Sie kümmern sich drum“, antwortete sie. „Darf ich fragen,
warum muss denn Gustav´s Wagen zu Ihrer KTU? KTU heißt doch Kriminal-Technische-Untersuchungsstelle,
nicht wahr? Habe ich nämlich bei den Krimis im Fernsehen schon öfters gehört“,
sagte Frau Arnold. „Weil eventuell Spuren
am Auto von Ihrem Gustav zu sichern sind, die zur Lösung des Mordfalls
beitragen können“, antwortete Lüppi. „Wieso Mordfall? Davon
haben Sie vorhin gar nicht gesprochen. Sie haben nur gesagt, sie wäre tot.“ „Das stimmt, wir haben
gesagt sie wäre verstorben. Sie ist aber nicht eines natürlichen Todes
verstorben.“ „Ich weiß, das war ihr
Herz. Sie hatte ja eine starke Herzschwäche. Wahrscheinlich hat ihr
Herzschrittmacher versagt“, konnte sie sich vorstellen. „Nein, sie ist
erstochen worden“, sagte Petra. „Erstochen…? Im Park…?
Ja…, warum das denn…?“, fragte eine nun ganz fassungslose Frau. „Das müssen wir
herausfinden“, sagte Lüppi und fragte. „Nein, ihre Eltern
sind bereits verstorben, genauso wie ihr Ehemann. Geschwister hat sie keine
gehabt.“ „Oh…! Hatte Frau
Neuhäuser einen Freund?“ „Ja, aber ich bin mir
nicht sicher, ob die zwei noch zusammen waren. Er war schon eine ganze Weile
nicht mehr hier bei ihr“, antwortete sie. „Wie er heißt, wissen
Sie nicht zufällig?“, fragte Petra. „Ja, das weiß ich“,
antwortete sie, stand auf und ging zum Wohnzimmerschrank. Während sie dort eine
Schublade aufzog, sagte sie. „Ah, das ist er ja,
der Name. Peter Maier, heißt der Freund von ihr.“ „Wo er herkommt,
wissen Sie nicht auch zufällig?“ „Er soll hier in Essen
wohnen. Sein Firmenwagen hat aber ein Kennzeichen aus Düsseldorf“, wusste sie. „Wissen Sie was er von
Beruf ist?“ „Er soll im Außendienst tätig sein. Die Firma weiß ich aber
nicht. Das habe ich übrigens vorletzte Woche Frau Neuhäuser auch noch
gefragt, weil sie mir sagte, sie wüsste nicht bei welcher Firma er tätig ist.
Der Herr Maier macht da wohl ein Geheimnis draus. Da haben wir uns noch
Gedanken zu gemacht, was das wohl für ein Grund haben kann.“ „Können Sie den Herr Maier beschreiben?“ „Ja…, so groß wie Sie, Herr Kommissar. Ungefähr Mitte
vierzig. Braune kurze Haare und hat eine gute Aussprache.“ „Wenn Ihnen sonst noch etwas einfällt, ich gebe Ihnen mal
meine Karte“, sagte Petra und hielt Frau Arnold die Visitenkarte hin. „Da wird sich Anabela, meine Enkelin, ja freuen, dass die
Wohnung von Frau Neuhäuser frei wird.“ „Wieso?“, fragte Lüppi und ahnte schon etwas. „Sie will schon seit einem halben Jahr hier oben einziehen.
Sie studiert hier in Essen. Das ist für sie einfacher als jeden Tag von
Wuppertal hierher zu kommen“, erklärte Frau Arnold. „Dann muss Ihre Enkelin aber noch warten bis wir den Fall
abgeschlossen haben oder die Wohnung von Frau Neuhäuser freigeben können. Das
wird noch ein paar Tage dauern“, kam der Hinweis von Lüppi. Freitag, 15.50 Uhr Gördi und Jasmin waren seit ein paar Minuten, vor den
Kollegen der KTU, angekommen. Die Autofahrerin saß noch immer Knieschlotternd
im Büro des Parkhauswärters. Ihr Kleinwagen war am Rand der dortigen Tankstelle
abgestellt. Selbst Jasmin sah sofort, der Wagen würde nie wieder am
Straßenverkehr teilnehmen können. Ein paar Meter weiter stand der Streifenwagen
der drei Kollegen. Einer der drei hatte im Büro des Wärters auf die Kollegen
der KK11 gewartet. Von ihm erfuhren die beiden. „Der Notarzt kommt später, der ist auf dem Weg hierher zu
einem schweren Verkehrsunfall gerufen worden. Das dauert also noch.“ „Wo ist denn der überfahrene Kontrahent der
Messerstecherei?“, wollte Gördi wissen. „Auf Parkebene drei“, antwortete der Wärter. „Ich führ euch hin“, bot der Streifenkollege an. „Das wäre prima“, sagte Gördi und wollte von dem
Parkhauswärter wissen. „Ja, kann ich Ihnen gleich geben, sobald ich den Rückruf von
der Zentrale erhalten habe, ob ich das Videoband herausgeben darf“, war die
Antwort von ihm. „Okay, dann bis gleich“, sagte Gördi und die beiden folgten
dem Streifenkollegen. „Ich weiß zwar nicht was hier auf dem Boden liegt, aber
Backpulver wird es wohl nicht sein“, sagte er zu den beiden herannahenden. Während Horst und
Moris mit Spurensicherung und fotografieren beschäftigt waren, hatte Jasmin ein
paar Fragen an ihren älteren Kollegen mit der sie ihn überraschte. „Kennst du den Toten?“ „Nein, noch nie
gesehen“, antwortete Gördi ihr. „Wie häufig kommt es
vor, dass aller Wahrscheinlichkeit nach zwei Dealer in Streit geraten und sich
gegenseitig umbringen wollen?“ „Eigentlich selten. Klar
ist, dass der eine oder andere Konsument an einer Überdosis stirbt, sowie jetzt
die 19 Fälle mit dem zu hochdosierten MDMA, das kommt immer wieder vor. Mal
mehr und mal weniger, aber bis jetzt nicht in der Form wie zuletzt bei Bauer
Hempkeman und Liam de Jong.“ „Können oder müssen
wir nicht sogar davon ausgehen, dass es nach der Verknappung nach Bauer
Hempkeman und der Aktion heute Abend es in nächster Zeit zu mehr solcher
Vorfälle kommt, wie möglichweise der hier?“ „Du meinst, weil
weniger Drogen im Umlauf sind, wird die Gangart unter den Dealern eine deutlich
härtere?“, fragte Gördi nach und wunderte sich über die junge Kollegin und die
Gedanken, die sie sich machte. „Ja, ganz genau. Denn
wenn das so zu erwarten ist, dann müssten wir uns doch vorher schon mal
überlegen was wir, die Polizei dagegen unternehmen können, damit das zu Erwartende
nicht passiert, oder wie siehst du das?“, fragte Jasmin. „Du hast völlig Recht
mit deinen Überlegungen. Das sollten wir…, am Montag bei der Übergabe der 19
Fälle an die GER ansprechen“, sagte Gördi, schaute die junge Kollegin an und
lobte sie anschließend noch. „Ich bin beeindruckt
von deinen Gedanken, die du dir machst. Toll, ganz toll!“ Gördi und Jasmin
gingen daraufhin zu dem Büro des Parkhauswärters zurück. Wo sie erfuhren, der
Notarzt war kurz dagewesen, musste aber schnell wieder weg, zum nächsten
Einsatz. Im Beisein des Ehemannes der Frau wechselten Gördi und Jasmin noch ein
paar Worte mit beiden. Laut der Parkhaus-Zentrale durfte der Wärter das entsprechende
Videoband herausgegeben, was Moris an sich nahm. Die zwei verabschiedeten sich
von der Frau des nicht mehr fahrbereiten Kleinwagens, gaben ihr eine Karte von
Gördi mit und fuhren daraufhin zum Präsidium zurück. Freitag, 18.45 Uhr Lüppi hatte Torti von
Zuhause abgeholt. Sie hatte ihm erzählt,
sie hätten eine Kündigung von einer Wohnung im Nachbarhaus erhalten. Sie wusste
aber nicht welche Wohnung es war. Im Präsidium hatte man währenddessen eine
Groß-Bestellung bei einer Pizzeria in Auftrag gegeben. Der Pizzabote hatte
daraufhin einen Kollegen von sich mitgebracht, der ihm beim tragen half. Neben
den acht aus dem Büro, waren Torti, Mario und die zwei Leiter der GER, Ulrich
Wackenhut und Tobias Braun, anwesend. Die drei von der BTM hatten sie aus gutem
Grund nicht dazu gebeten. Ulrich und Tobias hatten sich zu Anfang etwas über
Torti´s Anwesenheit gewundert. Dies hatte aufgehört, nachdem beide von ihren
sehr hilfreichen Einfällen erfuhren, wovon sie schon das eine und andere im
Präsidium gehört hatten, dies hatten sie aber als dumme Gerüchte und ‚Kappes‘
abgetan und nicht geglaubt. Gegen 21 Uhr traf man sich an verabredeter Stelle mit den
anderen Kollegen der GER, den BTM´lern und mit den Kolleginnen und Kollegen von
der Zollfahndung. Sie war von der Personenanzahl die größte Truppe, wenn man
die Einsatzhundertschaft der Landespolizei nicht mit
berücksichtigte. Ulrich und Tobias hatten somit Personenanzahlmäßig ordentlich
aufgefahren. Freitag, 21.30 Uhr Die Brüder kamen erst
sehr spät aus Mailand zurück. Bei fast unzähligen Handwerksfirmen waren sie
gewesen. Freitag, 23.00 Uhr Liebe Leserin, lieber
Leser, Wieder saß Torti bei
Mario in dessen Fiat 131 Supermirafiori. Der Wagen stand schräg auf der gegenüberliegenden
Seite zum ‚Techno Palast‘, an der Frohnhauser
Straße am Straßenrand und parkte zwischen anderen PKW´s von vermeintlichen
Discotheken-Besuchern. Sie konnten sehen wie sich die Einsatzkräfte in eine Art
Ring um das alte Industriegebäude aufstellten. Das was die Polizei unter Führung der GER und der Zollfahndung an dem
späten Abend an dem Techno Palast machten, schockte fast alle Gäste. Sie riegelten
um die Diskothek alles ab. Keine Person konnte ohne Kontrolle mehr das Gelände
und das Gebäude verlassen oder betreten. Viele betroffene Personen sprachen noch
Tage danach davon, sie wären regelrecht festgesetzt worden. Eine Flucht oder
unbemerktes Verschwinden aus dem Gebäude war somit völlig aussichtslos. Wie
eine Woche zuvor, so sprach sich auch im ‚Techno Palast‘ bei den
Besucherinnen und Besuchern der Einsatz schnell herum. Einige wollten daraufhin
die ‚Disse‘ schnellstmöglich verlassen
und wurden alle durchsucht. „Findet du das nicht
auch komisch“, sagte Meik zu Jasmin. „Ja, jetzt wo du das
so sagts, aber wir zwei sind ja auch die ganze Zeit beieinander“, erwiderte
sie. „Stimmt“, bestätigte
er und schaute sie fragend an. „Was sollen mir deine
Blicke sagen?“, erkundigte sie sich bei ihm. „Ob sich zwischen
beiden etwas anbandelt?“ „Ich dachte Björn ist
mit Melanie zusammen. Ist sie nicht Krankenschwester?“ „Ja, hat er mir auch
erzählt, aber das heißt ja nichts…“ „Die zwei, ich meine
Silke und Björn, kennen sich doch schon seit Jahren“, gab Jasmin zu bedenken. „Die zwei hatten aber
bis jetzt nie etwas miteinander zu tun.“ „Ach, du meinst, jetzt
wo die zwei zusammen Einsätze haben… und so… da merken beide…“, sagte sie,
sprach aber nicht weiter. „Angefangen hat das
zwischen den beiden bei der Durchsuchung bei dem Bauer Hempkeman“, war er sich
sicher. 2. Dezember 1995,
Samstag, 11.50 Uhr Torti und Lüppi hatten
lange geschlafen nach dem sie erst kurz vor halb 4 Uhr ins Bett gekommen waren.
Zu dem Zeitpunkt saßen die zwei bei der üblichen ersten Tasse Kaffee zusammen
und sprachen über den Einsatz. Resümee von Torti zum Einsatz war. „Der Einsatz hat mir
nicht so gut gefallen. Es war viel weniger los und passiert ist auch nicht so
viel. Ich fand das richtig doof, dass ich euch während des Einsatzes nicht
einmal sehen konnte“, sagte sie und gähnte. „Du und Mario, gääähn,
hättet rein theoretisch als Besucher in den ‚Techno Palast‘ hineinkommen
können“, glaubte Lüppi. „Haben wir ja
versucht. Der Türsteher hat mich aber nicht reingelassen. Du ahnst ja nicht was
der Böldmann zu mir gesagt hat…, gähn?“ „Was hat er denn
gesagt…?“, wollte Lüppi wissen. „Ich wäre etwas zu alt
und ich hätte das falsche Outfit an. Kannst du dir das vorstellen, das falsche
Outfit…! Dabei hatte ich eines meiner Lieblings-Kleider an, wie du ja weißt.“ „Kannst du dich noch
daran erinnern was ich zu dir gesagt habe, als ich dich gestern Abend abgeholt
habe?“, erkundigte sich Lüppi. „Ich solle lieber eine
Hose und Bluse anziehen“, erwiderte sie. „Weißt du jetzt warum
ich das gesagt habe?“, erkundigte er sich und musste schon wieder gähnen. Zur gleichen Zeit, im
gleichen Haus, Bei Schwarz/Buhrmann
schellte es. Als Heike aufdrückte kam Nina mit ihrer kleinen Reisetasche die
Stufen hoch. Sie hatte bei ihrer Freundin Mia und deren Mutter Vanessa
Infantino geschlafen, da Gördi und Heike ja auch bei dem Einsatz gewesen waren. „Hallo, Nina“, grüßte
ihre Ersatz-Mutter sie. „Ich dachte, ich klingele
mal lieber an, nicht das ich euch bei etwas Wichtigem störe…“, gab sie als
Erklärung an und grinste breit. „Wobei hättest du uns
denn stören können?“, fragte Heike sie und wusste nicht was sie meinte. „Ich dachte, da ich ja
nicht da bin, wärt ihr vielleicht dabei mir ein Geschwisterchen zu machen.“ „Ein Geschwisterchen?!
Da muss ich dich enttäuschen, das hatten wir nicht vor!“, gestand Heike
ehrlich. „Nicht und ich dachte
das wäre Standard, wenn Mann und Frau sich kennenlernen und zusammen ziehen“,
gab Nina ihre Überlegung wieder. „Komm erst einmal rein“,
bat Heike. „Gördi, unsere Tochter
hat geglaubt, wir wären dabei ein gemeinsames Kind zu zeugen“, rief Heike ihm
zu. „Bitte was? Wie kommst
du denn darauf?“, fragte er Nina. Etwas später, im
gleichen Haus, Petra und Mario waren
aufgestanden. Auch die beiden sprachen über die vergangene Nacht. Torti und ihm
war im Fiat über die Stunden ziemlich kalt geworden. Petra fragte sich
daraufhin wie es wohl den beiden gehen würde. Noch einmal etwas später,
im gleichen Haus, Nach dem Öffnen der
Wohnungstür erfuhren die zwei, Torti war dabei den verspäteten Frühstückstisch
zu decken, während Lüppi im Badezimmer war, um sich zu waschen. Mario erklärte
sich bereit Brötchen zu holen und ging zum Gervinusplatz. Nach seiner Rückkehr
frühstückten die vier zusammen. Das Thema war klar, die letzte Nacht und der
Einsatz. Auch wurde der Einsatz der Kollegin Silke ein Thema. Petra und Lüppi
schilderten unabhängig voneinander wie sie beide sie erlebt hatten. „Ich fand sie wieder
sehr aktiv, wie bei der Durchsuchung vom Hof Hempkeman. Da hat sie auch ganzen
Einsatz gezeigt, sowie gestern auch“, teilte Petra ihre Sicht mit. „Ja, stimmt. Sie war
sehr aktiv und teilweise energisch bei der Sache“, war auch Lüppi der Meinung. „Was schließt ihr zwei
daraus?“, fragte Mario und gähnte. „Sie scheint entgegen
allen Annahmen meinerseits viel mehr bereit zu sein sich auf ihre neue Aufgabe
einzulassen, als es von mir erwartet worden war“, gab Lüppi seine Überlegungen preis. „Das ist doch schön
für euch“, fand Torti. „Papa, ist dir
aufgefallen, dass Björn irgendwelche Probleme hat? Ich glaube, bei ihm läuft
etwas nicht wie sonst“, fragte Petra. „Nein, ist mir nicht
aufgefallen, gääähn“, sagte Lüppi und das Telefon schellte
Samstagmittag. „Soll ich?“, fragte
Torti. „Nö, lass mal, ich geh
schon“, erwiderte Lüppi, gähnte erneut, stand auf, ging zum Apparat und nahm
den Hörer ab. „Lüpke!“, rief er in
den Hörer. „Ich bin es“, war zu
hören. „Ach, hallo Santino.
Rufst du privat oder beruflich an?“, fragte er und stellte auf laut. „Beruflich, ich hoffe…,
ich störe euch nicht im Augenblick bei etwas. Ich konnte nicht eher wieder
anrufen“, teilte Santino Martinelli, Oberleutnant der Carabinieri, mit und hatte ein schlechtes Gewissen. „Nicht direkt, wir
Frühstücken gerade zu viert“, teilte Lüppi mit. „Um die Uhrzeit?“ „Wir hatten gestern
einen Großeinsatz in und um einer Groß-Diskothek, der bis 2 Uhr dauerte und bis
wir dann im Bett waren, war es auch halb vier. Ganz ehrlich, wir sind alle
ziemlich kaputt. Aber erzähl…, gääähn, was hast du denn Schönes?“ „Ich weiß jetzt was
der Carbone und der Mascali am Lago Maggiore vorhaben“, teilte er mit. „Und…, was is es?“ „Die haben ein Hotel
gekauft, eines was direkt am See liegt. Den Verkäufer haben die aber so was von
über den Tisch gezogen und dessen Notlage haben die richtig ausgenutzt, da
machst du dir kein Bild von. Der Signore Cattaneo stand danach vor dem Ruin
seines Lebens. Wahnsinn was die mit dem abgezogen haben.“ „Kannst du dem Herrn
Cattaneo nicht irgendwie helfen?“, fragte Lüppi. „Ist zu spät. Er hat
sich inzwischen in seinem ehemaligen Hotel erhängt.“ „Ist das sicher?“ „Du meinst, ob er sich
selbst… oder ob die Brüder?“ „Jo, genau das!“ „Nee, hat der Signore
Cattaneo ganz alleine gemacht. Die Brüder sind am Lago Maggiore lammfromm. Wir
können das gar nicht glauben. Dafür haben die jetzt ein handfestes Handwerker
Problem!“ „Wieso, wollen die das
Hotel umbauen?“ „Ja, inzwischen wissen
wir auch was es werden soll. Es soll ein Hotel di sculture werden. Zu Deutsch, Hotel
der Skulpturen. Klingt doch vielversprechend, oder?“ „Auf alle Fälle. Fragt
sich jetzt nur noch, wie die sich das vorstellen…, oder weißt du das auch
schon?“ „Nein, weiß ich nicht.
Ich habe da eine Idee, aber ich weiß nicht was meine Vorgesetzten dazu sagen,
wenn ich denen das vorschlage…!“ „Erzähl…!“ „Die bekommen keine
Handwerker. Die Mancini-Brüder
fahren seit zwei Tagen durch die Gegend, sprechen Gott und die Welt an und finden keine, die jetzt sofort Zeit „Äh…, warum willst du
das machen?“, fragte Lüppi und glaubte nicht was er gehört hatte, sah dabei zu
den dreien zum Esstisch, um zu sehen, ob da einer den Sinn dahinter verstanden
hatte. „Ganz einfach…, so
könnten wir dafür sorgen, das ganze Hotel in Zukunft überwachen zu lassen und
alle abzuhören, wer auch immer dort absteigt. Ich gehe davon aus, dies werden
genauso große Mafia-Größen sein wie die zwei.“ „Oder als Danke schön
irgendwelche korrupten Beamte oder Amtsträger. Denn eines muss man sich ja mal
fragen, da wir ja noch immer nicht wissen wie es sein konnte, dass der Mascali
einfach in Genua entlassen wurde und nicht für Jahrzehnte weggesperrt worden
ist.“ „Scheiße, das ist gut.
Das ist das überzeugendste Argumente was ich vorbringen kann. Verdammt, ist das
gut. Danke für deine Hilfe!“, freute sich Santino aufrichtig. „Ich hab doch nichts
gemacht…!“, erwiderte Lüppi. „Doch, hast du. Du
weißt gar nicht wie hilfreich du für mich immer bist. Noch einmal…, Danke,
lieber Lüppi!“ „Nicht dafür, es freut
mich aber, wenn ich dir etwas helfen konnte.“ „Ich habe doch schon
mehrfach gesagt, es ist immer sinnvoll sich mit dir auszutauschen.“ „Das heißt jetzt also,
du sprichst jetzt mit deinen Chef´s und schlägst denen vor, dem Carbone und dem
Mascali Handwerksfirmen zu besorgen, was die selbst nicht geschafft haben. Das
dies Geld kosten wird, wenn die Handwerker aktuelle Aufträge liegenlassen und weitere
nach hinten schieben, ist schon klar?“ „Ja, warum sagst du
das jetzt?“, fragte Santino leicht verunsichert nach. „Das sage ich dir
jetzt. Ich frage mich gerade…, wie du denen so ganz plötzlich und unerwartet
Handwerksfirmen andrehen willst?“, teilte Lüppi seine Gedanken mit. „Äh…, das weiß ich im
Augenblick noch nicht!“ „Das wird nicht
einfach sein, zumal davon auszugehen sein wird, die Mancini-Brüder werden die Handwerksfirmen
überwachen, da du ja sagtest, die sind am Lago Maggiore lammfromm. Heißt dann
ja wohl, die haben nichts weiter zu tun und machen die Aufpasser!“ „Stimmt, daran habe
ich noch nicht gedacht. Mist!“ „Mmh, hast du da
auch noch eine Idee für mich…?“, erkundigte sich Santino. „Santino hat doch
erzählt“, fing Mario an. „Hast du gehört was
Mario gesagt hat?“, erkundigte sich Lüppi. „Ja, habe ich und
ja, stimmt…, warum?“, bestätigte Santino. „Diese Villa wird
doch offiziell von einem Mailänder Bänker verkauft, auch richtig, nicht wahr?
Hieß der nicht Signore Valentini?“, fragte Mario weiter. „Äh…, ja…, ist alles
korrekt.“ „Dann schlage ich dir
folgendes vor…, gehe doch jetzt hin, besorge die Handwerksfirmen und zwar jetzt
sofort. Sprich im Anschluss sogleich mit dem Signore Valentini, ob er bereit ist, den zwei Ober-Mafia-Bossen nicht auch direkt
ein paar Handwerksfirmen an die Hand zu geben, die für die zwei und deren zwei
Frauen die Villa umbauen könnten. Hintergrund ist, da die vier dort doch
bestimmt nicht unrenoviert einziehen wollen würden. Das Ganze natürlich…, alles
angeblich“, schlug Mario vor und grinste breit. „Nicht schlecht“,
sagte Lüppi und fügte seinen Gedanken
an. „Die zwei Bosse und die Mancini-Brüder
nehmen den Vorschlag an, kaufen spätestens deshalb dann schon die Villa und
schicken die angebotenen Handwerker in ihr Hotel. Tätä!“ „Verdammt…, seid ihr gut“, kam es von Santino. „Ja, aber…, da ist
noch etwas…“, sagte Lüppi, machte eine Pause und sagte weiter. „Hinzu kommt noch etwas…, und das ist die noch viel
schwierigere Aufgabe. Stellt sich die nächste Frage…, wie in Gottesnamen willst
du es schaffen, dass die Handwerker, die dann das machen was dem Carbone und
dem Mascali so einfallen, dies dann umsetzen und trotzdem dann versteckte
Kameras und Mikrofone anbringen? Und die dürfen denen dann noch nicht einmal
was sagen oder euch verraten?“ „Mmh…?“, kam es von
Santino. „Santino…!“, rief
Torti. „Ja, Marianne?“ „Du hast uns doch
erzählt, als wir im September in Italien waren, ihr die Carabinieri habt doch
alle möglichen Handwerker bei euch in den Reihen“, sagte sie und sprach aber
nicht weiter, da ihr klar war, Santino wüsste nun was sie sagen wollte. „Ja, ist richtig. Du
meinst also, die könnten dann bei den Handwerkern mitmachen und so die Sonder-Einbauten
überwachen und schauen, daß da auch keiner mit den Mancini-Brüdern redet. Das ist gut, das ist wirklich gut!“ „Vorschlag!“, sagte Mario. „Dann hätte ich alles parat, ich könnte die Entlassung von dem Mascali
als einer der Hauptgründe nennen und keiner sagt mir dann, das würde doch
sowieso nicht klappen. Mann, seid ihr gut. Ich könnte euch jetzt alle am
liebsten knutschen!“, sagte Santino. „Das heißt, du machst das so, wie von uns vorgeschlagen?“, fragte Petra. „Ja und zwar jetzt sofort, bevor die doch noch Handwerksfirmen finden.
Danke, ich melde mich wieder“, sagte er und es war nur noch „Tut, tut“ zu hören.
3. Dezember 1995, Sonntag,
10.00 Uhr Die zwei saßen am
Frühstückstisch, auch wenn sie wusste, ihr Ehemann wollte nichts von dem
letzten Aufräumen im Haus ihrer verstorbenen Stiefmutter Thea hören, sprach sie
es wieder an. „Wir haben noch etwas
in der Stankeitstraße zu tun.“ „Was bitte hast du
gesagt?“, fragte er und lächelte verschmitzt. „Du hast mich schon
verstanden.“ „Bitte…? Ich verstehe
im Augenblick kein einziges Wort von dem was du sagst.“ „Ich liebe dich…“,
sagte sie recht leise. „Ich dich auch“, kam
es von ihm zurück. „Ach…, wenn ich dir ganz
leise ‚ich liebe dich‘ sage, dann verstehst du mich und wenn ich von der
‚STANKEITSTRAßE‘ spreche, dann verstehst du mich nicht?“, fragte Torti ihn und
rief den Straßennamen schon. „Wieviel Arbeit ist
das denn noch…?“, fragte er genervt. „Einen halben bis
ganzen Tag, würde ich schätzen.“ „Kannst du den Rest
nicht noch einmal mit deinen Arbeitskollegen machen?“, erkundigte er sich, auch
wenn er wusste, dies würde nicht der Fall sein. „Ich frag mal lieber
Morgen nicht nach. Die Antwort von Theo kennst du bestimmt selbst.“ „War ja nur eine
Frage!“ „Dessen Antwort du
auch schon vorher kanntest“, wusste sie. „Nächstes oder noch
lieber…, übernächstes Wochenende!“ „Aber noch vor
Weihnachten, bitte!“ „Ja, versprochen!“,
bestätigte er und zog eine ‚Schnüss‘. Sonntag, 15.00 Uhr Torti und Lüppi hatten
den Kaffeetisch für sechs gedeckt und mussten auch nicht lange auf die vier ‚Kinder‘
warten. „Herr Lüpke, ich habe
meine Mutter tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Sie sind doch von der Polizei.
Könnten sie einmal schauen, ob sie eines normalen Todes gestorben ist oder ob
da jemand nachgeholfen hat?“ „Oh…, nein…“, kam es
im ersten Augenblick betroffen von ihm. „Aber na klar kann ich schauen. Erst
einmal, herzliches Beileid für Sie“, sagte Lüppi und holte Petra dazu. 4. Dezember 1995, Montag,
7.25 Uhr Torti und Lüppi waren
dabei sich vor der Haustür zu verabschieden. Nach dem üblichen Kuss fragte sie
ihn. „Hattest du denn auch
den Eindruck, dass bei Frau Tengel etwas nicht stimmen könnte?“ „Nein, eigentlich
nicht. Meine Erfahrungen haben aber gezeigt, wenn jemand eine Vorahnung hat,
dann ist es besser der nachzugehen“, antwortete er ihr und gab ihr einen
weiteren Kuss. „Dann bin ich mal
gespannt was Stefanie, eure Rechtsmedizinerin herausfinden wird“, sagt sie zu
ihm. „Schauen wir mal“,
meinte er. Montag, 7.58 Uhr Lüppi und die anderen
drei waren zu dem Zeitpunkt im Büro angekommen. Von den vier Kollegen war noch
nichts zu sehen. Wie gewohnt fing Gördi an Kaffee zu kochen. „Sag mal Lüppi“,
sprach Heike ihn an. „Was hat Torti vorhin mit der Frau Tengel gemeint gehabt?“ „Oh…, habt ihr das
gestern gar nicht mitbekommen? Die Tochter von ihr, keine Ahnung wie die heißt,
kam gestern Nachmittag, als wir gerade Kaffeetrinken wollten zu uns an die
Wohnungstür und hat mitgeteilt, ihre Mutter wäre tot.“ „Ach, du Scheiße“,
entfuhr es ihr. „Wisst ihr woran die
nette Frau Tengel gestorben ist?“, wollte Gördi wissen. „Laut Notarzt, eines natürlichen
Todes“, kam es von Lüppi. „Deinem Ton nach zu
urteilen, hast du Zweifel daran“, glaubte Heike. „Ich eigentlich
nicht…“, sagte er und schaute zu Petra. „Ich aber. Mir haben
die Äußerungen von der Tochter nicht gefallen. Das klang für meinen Geschmack
alles so berechnend. Mir kam es komisch vor.“ „Ja, habt ihr dann
nicht… und so…?“, fragte Heike nach. „Doch haben wir“,
antwortete Petra. „Schauen wir mal, was
herauskommt und ob dein Bauchgefühl, Petra, dich nicht getäuscht hat“, war von
Lüppi zu hören. „Und was ist, wenn ich
richtig lag, mit meinem Bauchgefühl?“ „Dann bekommst du die ‚goldene
Ermittler-Anstecknadel‘ für besondere Verdienste“, sagte Lüppi mal einfach so. „Wau, ich wusste gar
nicht, dass es die gibt“, kam es von Petra und alle drei sahen, sie war
erstaunt und überrascht darüber, glaubte aber, dass es die geben würde. „Soso, jetzt bin aber
von den Socken, die so ganz besondere und nur selten verteilte ‚goldene
Ermittler-Anstecknadel‘ habe ich noch nicht einmal bekommen“, teilte ein
künstlich enttäuschter Gördi mit. „Und ich auch nicht.
Ich finde das nicht richtig. So geht das hier aber nicht“, protestierte Heike
lautstark. „Dann müsst ihr zwei
euch mal mehr anstrengen. Nehmt euch mal an Petra ein Vorbild“, kam es von
Lüppi. „Soll ich mal
nachhören?“, und hatte auch schon den Hörer in der Hand.
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